Superlevel

Beatbuddy

Passt man nicht auf, könnte man Beatbuddy für einen ganz gewöhnlichen Unterwasser-Puzzle-Plattformer halten. Der titelgebende Beatbuddy schwimmt durch eine Höhlenwelt, legt Schalter um, schafft Durchgänge und weicht Feinden aus. Um in Beatbuddy etwas Besonderes zu erkennen, muss man zuhören. Es ist der Versuch, Leveldesign um Musik herum zu strukturieren.

Jedes Element, das man in der Welt von Beatbuddy trifft, trägt zur Musik des Spiels bei. Es gibt Bass-Drum-Wasserlilien, Synthesizer-Lavaschnecken, Hi-Hat-Blubberblasen, Snarekrabben und beatboxende Wachen. Je nach Kombination und Grundstimmung eines Levels lassen sie Swinghop, Acid, House und andere Musikgenres entstehen. Beatbuddy macht aber mehr, als das Intro von Disneys Arielle nachzuahmen.

Das Hamburger Indie-Studio Threaks hat jahrelang mit der Unterstützung vom Fraunhofer-Institut und öffentlichen Fördergeldern daran gearbeitet, Spielelemente und Musik durch komplexe Analysewerkzeuge zu verknüpfen. Ziel war es, dass jedes Spiel-Element nahtlos und organisch zur Musik im Spiel beiträgt.

Ein Raum voller Lavaschnecken, die rhythmisch ihre Synthesizernoten verschießen und Spieler zum Ausweichen zwingen, klingt und spielt sich deutlich anders als ein Puzzleraum, in dem nur ein paar Bassdrumlilien und Reflektorpads darauf warten, richtig angeordnet zu werden. Je nach Level gibt es einen anderen Track als Grundlage. Mal steuert Journey-Komponist Austin Wintory Musik bei, mal Parov Stelar.

Die Spielmechaniken, die sich dabei ergeben, sind in keinster Weise innovativ: Es gibt genug andere, mit Schalterrätseln und Reaktionstests vollgepackte Puzzle-Spiele. Nach Möglichkeiten, eigene Kreativität mit der Musik zu beweisen, sucht man vergeblich. Einzelne Spuren aus dem Mix zu nehmen, also beispielsweise die Snare-Krabben zum Verstummen zu bringen, ist das Höchste der Gefühle. Die Leistung von Beatbuddy ist es aber, jeder dieser bekannten Herausforderungen einen eigenen Klang zu verpassen. In jedem Moment des Spielens ist das Gefühl überwältigend, im (ich bitte vielmals um Verzeihung) Einklang mit der Welt zu sein.

Herausgerissen wird man daraus nur, wenn im unpassendsten Moment die Steuerung versagt und der Beatbuddy Dinge aus seinen Händen fallen lässt, an Vorsprüngen hängenbleibt oder urplötzlich unsichtbar wird während der Code, der die Welt zusammenhält, um ihn herum in Stücke bricht.

Nein, in seinen Kernmechaniken ist Beatbuddy nicht innovativ. Seine Designprinzipien lassen sich ziemlich genau auf 2009 datieren: Als die Entwicklung begann, galten Puzzle-Plattformer noch nicht als plattgetretenes Indie-Genre. Und trotz all dem steckt in Beatbuddy für mich ein absolut faszinierendes Spiel. Ein Spiel, das Leveldesign auf Musik stützt und nicht umgekehrt. Dass das funktioniert und zu einem einzigartigen Spielgefühl führt, spricht Bände über die Kreativität, den Mut und die Eigenwilligkeit von Threaks.

Ein Kommentar zu “Beatbuddy”

  1. Frufus
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    für die Atmosphäre gibt es wirklich kein besseres Wort als harmonisch. Die Welt im Großen wirkt auch super (geile Zeichnungen!), nur im Detail geht es einem echt auf die Nerven, überall bleibt man hängen. Generell die Steuerung hat sich bei mir nicht wirklich festsetzen wollen. Außerdem sind mir an der linken Hand dauernd der kleine und Ringfinger eingeschlafen

2 Trackbacks zu “Beatbuddy”

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