The Detail: Eine zweite Chance

Eigentlich wollte ich schon zur ersten Episode von The Detail etwas schreiben. Doch beim Abspann von “Where the Dead Lie” war mir unklar, wie ich es fand. Gut, schlecht, belanglos? Es wäre ein recht langweiliger Text geworden, alles war viel zu vage. Aber fangen wir von vorne an.

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The Detail ist ein in Episoden erscheinendes Adventure, das die miteinander verknüpften Geschichten mehrerer Charaktere erzählt. Es geht um Cops und Verbrecher und die Grauzonen dazwischen, aber vor allem geht es um Entscheidungen und ihre Folgen. “Every choice holds consequences”, versprechen die Entwickler. Dieses Versprechen konnte die erste Episode allerdings nicht erfüllen. Es gibt diese Momente der Entscheidung, aber von den Folgen ist noch nicht viel zu spüren. Ob ich in einem Kampf versuche, den Schlag abzuwehren oder selbst einen Treffer zu landen: Das unmittelbare Ergebnis meiner Handlungen ist oft nicht absehbar und wirkt dadurch beliebig.

Das bei dem Adventure-Trend der letzten Jahre so beliebte episodische Format ist nicht nur eine Möglichkeit, um Entwicklung und Handlung über einen größeren Zeitraum aufzuteilen — es ist eine grundlegende Entscheidung darüber, wie eine Geschichte erzählt wird. Es gibt Spiele, die dieses Format gut nutzen, um ihre Erzählstruktur aufzubrechen. Andere haben Probleme damit, einen ersten Akt vorzulegen, der so gut ist, dass er zum Weiterspielen überzeugt. The Detail gehört zu den Letzteren. Aber in The Detail geht es immer wieder um zweite Chancen, um geläuterte Kriminelle und um ehrgeizige Cops – also gab ich auch dem Spiel mit seiner zweiten Episode “From The Ashes” noch eine Chance.

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Im Nachhinein betrachtet wird die erste Episode so zu einem Prolog, zu einer Pilotfolge, deren einzige Aufgabe es ist, die Charaktere einzuführen. Die zweite ist schon sehr viel bemühter, die Entwicklungen der Charaktere zu zeigen. Zeitungsartikel erinnern an Entscheidungen aus der vorherigen Episode, aber auch unmittelbar werden die Folgen vorheriger Szenen deutlich – oft angenehm unaufgeregt und beiläufig.

Mit der zweiten Episode findet The Detail auch besser in seinen eigenen Stil und beginnt, selbstbewusster mit dem gewählten Format umzugehen. Die Präsentation geht mehr und mehr dazu über, ein interaktiver Comic als ein klassisches Point and Click-Adventure zu sein. Die karge Soundkulisse – außer einem zurückhaltenden Soundtrack gibt es keine Geräusche oder Synchronstimmen – trägt dank des Comicbuch-Stils mitsamt umblätternder Seiten eher zur kühlen und bedrohlichen Atmosphäre bei, als etwas vermissen zu lassen.

Auch der Zeichenstil selbst hat an Qualität gewonnen. Zwar sehen Charaktere und Gegenstände oft immer noch wie eine Sammlung von Cliparts aus, die Grafik wirkt in Episode 2 aber zumindest etwas aufgeräumter und kohärenter. Der Stil war schon von Anfang an ein ziemliches Durcheinander, aber irgendwie passt das Collagenhafte auch zur Geschichte, die sich ebenso wie die Hintergründe aus verschiedenen Fragmenten langsam zusammensetzt.

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Die positive Entwicklung von “From The Ashes” bestätigt allerdings auch den Eindruck, dass sich das finnische Studio Rival Games an seinen Ambitionen überhoben hat. Allzu oft verharrt die Geschichte bei genau den Stereotypen, die sie selbst zu brechen versucht. Von russischen Mädchenhändlern über schwarzen Gangs, psychopatischen Killern und familientreuen Aussteigern – alle Versuche, diesen Charakteren Tiefe zu geben, laufen ins leere und reproduzieren Vorurteile. Zumindest bisher – die Bemühungen sind eindeutig da und es stehen noch einige Episoden aus, in denen etwa Rassismus und Polizeigewalt wirklich thematisiert werden können.

Es stecken viel Liebe und Herzblut in The Detail. Dieser etwas naive Charme hat mich letztendlich davon überzeugt, The Detail eine zweite Chance zu geben. Die Belohnung war eine Fortsetzung, die endlich beginnt Fahrt aufzunehmen. Und die nächste Episode? Die werde ich vermutlich auch spielen. Ich will ja schließlich wissen, wie es weitergeht. Und vielleicht wird The Detail seinen eigenen Ansprüchen mit der Zeit ja doch noch gerecht.