Blast from the Past: Counter-Strike

Blast from the Past: Counter-Strike

Als Fabu mich fragte, ob ich nicht etwas zur “Blast from the Past”-Serie beizutragen hätte, wusste er vermutlich nicht, dass er eine Rolle in der folgenden Geschichte spielen würde, die ihren Ursprung vor elf Jahren fand.

Kurzer Zwischenstand meines Lebens: Ich werde bald 25 Jahre alt, wohne in meiner ersten wirklich eigenen, ungeteilten Wohnung und verdiene mein Geld mit User Interface und User Experience Design. Wie es dazu kam? Durch Counter-Strike.

Counter-Strike

Damals, so mit 13 oder 14, hatte ich keinen wirklich guten Computer. Irgendwie schafften meine Freunde es allerdings alle, einen abgefahrenen Cyber-Zukunfts-Gaming-PC zu besitzen. Mit Grafikkarten, Arbeitsspeicher und allem drum und dran. Einige hatten vermutlich sogar RAM! Tatsache war, dass in meinem Zimmer nur ein alter, doofer Rechner stand, der nicht dazu in der Lage war, die ganzen coolen Spiele zu bewältigen, die meine Freunde mir ständig zeigten — aber 3D Pinball Space Cadet war ja auch was!

Mein Opa hingegen besaß aus irgendeinem Grund immer einen ganz hervorragenden Rechner. Abgesehen davon, dass mein Opa sowieso eine coole Sau ist, bleibt er auch seit Jahren auf dem aktuellsten Stand der Technik und sein Computer war dementsprechend alles, wovon jemand träumen konnte, der sonst nicht in der Lage gewesen wäre, mit seinen Freunden Polygonhaufen in den Kopf zu schießen. Counter-Strike stand kurz vor der Version 1.6, wir verbrachten die Pausen auf dem Schulhof damit, über die vergangenen Matches zu reden. Und die einzige Möglichkeit zum Spielen hatte ich am Computer meines Großvaters. Ich wurde also der undankbare Enkel, der die Wochenenden bei seinen Großeltern nicht damit verbrachte, sozial mit ihnen bei Kaffee und Kuchen Schabernack zu reden, sondern jede wache Minute am Bildschirm saß und versuchte, den nächsten Headshot zu landen. An dieser Stelle also ein Dank an meine Großeltern, die das duldeten, unterstützten und mir das erste Mal in meinem Leben einen vernünftigen PC samt gescheitem Internetanschluss boten.

Blast from the Past: Counter-Strike

Wie auch immer. Irgendwann 2003 war es also, dass ich auf einem Server gegen wildfremde Leute spielte und plötzlich ein Bild an einer der Mapwände hing, das dort eindeutig nicht hingehörte. “Sacrebleu!” rief ich, brach ein Stück meines Baguettes ab und stopfte es mir in den Mund. Was war das? Wie ging das? Warum habe ich sowas nicht? Wo kommt das Baguette her? Die kommenden Stunden verbrachte ich mit Google und einer brennenden Frage: Wie gelange ich an mein eigenes Spraylogo?

Folgende Erkenntnisse ergaben sich aus meiner Recherche:


  • Es gibt Spraylogos in Counter-Strike.
  • Man kann sich andere Spraylogos herunterladen und selbst einsetzen.
  • Offenbar gibt es die Möglichkeit, diese Grafiken auch selbst zu erstellen.
  • Es existieren Programme, mit denen man Grafiken erstellt.
  • Photoshop existiert.

Es klingt bescheuert, aber Counter-Strike brachte mich zum Design. Alles begann mit Spraylogos, anhand deren ich verschiedene Bildformate kennenlernte und in Erfahrung brachte, wie man diese abspeichert und optimiert, damit sie im Spiel möglichst gut aussehen. Dann gründeten wir einen Clan. Natürlich brauchten wir einen, immerhin waren wir fünf Leute mit mittelmäßigem Können und hatten die feste Absicht, die Schule hinzuschmeißen und mit Mousesports um die Welt zu reisen – und ich hatte damit einen Grund, mir beizubringen, wie man Webseiten gestaltet und baut.

Yo!

So kam eines zum anderen: Ich interessierte mich vermehrt für Design, entdeckte, dass Leute das als Beruf ausüben (Haha! Als Beruf! Leute verdienen Geld mit dem Blödsinn!) und diese sich teilweise in Foren zusammenschlossen, um über entsprechende Themen zu reden. Damals gab es zwei interessante Foren: 25g und Spotleid. Beide voller witziger und intelligenter Menschen, beide dezent elitär angehaucht, wie es damals offenbar im Trend war und beide nur durch Einladung der anderen Mitglieder und einem vorangehenden “Einstellungstest” betretbar. Um mich kurz zu fassen: Ich wurde nie im – von Fabu betriebenen – Spotleid aufgenommen. Abgesehen davon, dass ich zu jung war (wenn ich mich recht erinnere, war 18 das Mindestalter und ich gerade 16 geworden), fand ich den Einstellungstest abschreckend und hatte Angst davor, nicht genommen zu werden. Über Umwege wurde ich aber Mitglied bei 25g, lernte massig Leute aus Hamburg kennen, beendete mein Abi und zog in den Norden. Wie es der Zufall es wollte, in eine der Nachbarstraßen von Fabus Wohnung und so liefen auch wir uns im echten Leben über den Weg. Hallo Hamburg.

Counter-Strike Spraylogos habe ich es also zu verdanken, dass ich jetzt auf Superlevel – einem weiteren Fabu-Projekt – diese Geschichte veröffentlichen darf, die damit einen angenehm runden Abschluss findet.


In der Serie Blast from the Past berichten Superlevel-Autorinnen und -Autoren sowie gelandene Gäste über prägende Spiele und Spielerlebnisse aus der Kindheit und Jugend.

Marcel Wichmann ist begeisterter Casual Gamer, bloggt seit 2006 auf UARRR.org und ab und zu entfleucht ihm der ein oder andere Tweet.