DNCE PRTY

DNCE PRTY

In meiner Schulzeit gab es eine Phase, in der gut die Hälfte meiner Klasse ziemlich verrückt danach war, zu tanzen. Einige meiner Mitschüler schlossen sich Tanzschulen an und absolvierten mir völlig fremde Gold- und Silberkurse in Standardtänzen. Anderen genügte es dagegen, sich zur damals vollkommen gesellschaftsfähigen Dancefloor-Musik in Großraumdiskos zu bewegen. Ich persönlich mochte weder das eine, noch das andere. Ich fühlte mich unwohl dabei, vor anderen Menschen herumzuhüpfen, als hätte mich ein giftiges Tier gebissen. Nicht zuletzt deshalb bin ich froh, mein pubertäres Versäumnis jetzt nachholen zu können — mit DNCE PRTY!

DNCE PRTY ist toll, denn ich muss mich zu nichts überwinden. Ich sitze alleine vor meinem Computer, niemand sieht mir zu, während ich vier Finger meiner linken Hand über die Tasten Q, W, E und R lege, um anschließend wie zufällig darauf herumzuhämmern – erst unsicher, bald routiniert, später abgeklärt. Wirklich gezielt geschieht eigentlich nichts, von Standard-Tanz bin ich weit entfernt. Ich zerstöre dabei meine virtuelle Einrichtung, berühre mit meinen Körperteilen bestimmte Symbole, um Bonuspunkte zu ergattern und ergötze mich an Musik, die zwar nicht ganz so gut ist wie die größten Hits von 2 Unlimited, aber doch nahe herankommt.

Am Ende bleibt ein unangenehm fader Geschmack an meinem Gaumen haften. Ich habe völlig allein und nur mit Hilfe meiner Finger getanzt. Nicht extatisch, aber immerhin mit Spaß. Das fühlt sich ein bisschen an wie Masturbation. Glücklicherweise hält DNCE PRTY für dieses Problem eine Lösung parat: den Multiplayer-Modus. Ein zweiter Spieler kann jederzeit zu den Tasten U, I, O und P greifen. DNCE PRTY versöhnt mich so am Ende zwar nicht mit meiner Schulzeit, gibt mir aber dennoch das Gefühl, zumindest in der Theorie zu wissen, was Tanz ist.